„Wenn der Staat möchte, dass junge Menschen für ihn einstehen, sollte er vielleicht aufhören, sie zu enttäuschen." – Diese Website, 2026
Großartige Neuigkeiten
Deutschland hat ein Gesetz, das sicherstellt, dass Männer zwischen 17 und 45 Jahren dem Staat Bescheid geben, wenn sie länger als drei Monate ins Ausland gehen.
Denn offenbar war die wichtigste sicherheitspolitische Priorität der Bundesrepublik im Dezember 2025 nicht: Klimakrise. Nicht: Pflegenotstand. Nicht: bezahlbarer Wohnraum. Nicht mal: funktionierendes WLAN in der Bundeswehr.
Sondern: Wo ist eigentlich dieser eine Typ aus Bielefeld, der nach Australien ausgewandert ist?
Die Logik erklärt – für Leute, die noch glauben, dass Logik hilft
Deutschland kämpft seit Jahren darum, genug Freiwillige für die Bundeswehr zu gewinnen. Die Lösung? Offensichtlich nicht: bessere Bezahlung, modernere Ausrüstung, eine Führungskultur aus diesem Jahrhundert oder eine Institution, in der Menschen gerne arbeiten.
Die Lösung lautet: Pflicht.
Denn wenn niemand freiwillig kommt, muss man die Leute eben erfassen. So wie Netflix, nur ohne die Möglichkeit, das Abo zu kündigen. Und mit weniger gutem Content.
Zur Erinnerung: Wenn die Truppe ein attraktiver Ort für junge Menschen wäre, würden sie von selbst kommen. Kein gutes Festival braucht Anwesenheitspflicht. Kein gutes Restaurant braucht Essenszwang. Nur wer wirklich nichts Überzeugendes zu bieten hat, greift zur Pflicht – und hofft, dass es niemand laut ausspricht.
Die Karrierecenter – Endlich wieder was zu tun
Seit 2011 keine Einberufungen. Seit Jahren sinkende Bewerberzahlen. 16 Karrierecenter der Bundeswehr, deren Schreibtische leer sind und deren Stempel trocken.
Die Lösung: §3 WPflG.
Ab sofort kommen massig Anträge zum Karrierecenter. Jeder 22-Jährige, der für sein Erasmus-Semester nach Barcelona fliegt, ist gesetzlich verpflichtet, das vorher beim Karrierecenter anzuzeigen. Die Genehmigung ist grundsätzlich zu erteilen. Der Sachbearbeiter darf stempeln. Endlich wieder.
Es ist ein Beschäftigungsprogramm. In Zeiten von Fachkräftemangel, Pflegenotstand usw.
Das Gleichstellungs-Ding – oder: 1956 called, es möchte sein Weltbild zurück
§3 WPflG betrifft ausschließlich Männer.
Man könnte nun argumentieren, das sei historisch gewachsen. Man könnte auch argumentieren, Leberkäse sei ein vollwertiges Gemüse. Beides wäre falsch, aber mutig.
Stellen wir uns kurz vor, der Gesetzgeber hätte es andersherum formuliert: Nur Frauen zwischen 17 und 45 müssen für ihren Auslandsaufenthalt eine Genehmigung einholen, wenn sie länger als drei Monate ins Ausland reisen. Nur Frauen werden erfasst, nur Frauen brauchen diese staatliche Erlaubnis für ihren Aufenthaltsort.
Die öffentliche Empörung wäre – zu Recht – grenzenlos.
Was für Frauen selbstverständlich inakzeptabel wäre, ist für Männer offenbar seit Anfang 2026 wieder Gesetz. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist eine Grundsatzfrage: Wessen Grundrechte gelten uneingeschränkt – und wessen nur dann, wenn der Staat gerade keine anderen Pläne hat?
Eine Gesellschaft, die Gleichstellung ernst nimmt, kann keine Pflichten nach Geschlecht verteilen. Weder die Last noch die Verantwortung.
Was wirklich gebraucht wird
Eine allgemeine Dienstpflicht – oder keine
Militär, Pflege, Feuerwehr, Katastrophenschutz, Klimaanpassung. Alle Geschlechter. Alle Hintergründe. Gesellschaftliche Verantwortung trägt man gemeinsam – oder man nennt sie ehrlichkeitshalber etwas anderes.
Eine Bundeswehr, die überzeugt statt zwingt
Ausrüstung, die funktioniert. Gehalt, das nicht beschämt. Führungskultur aus dem 21. Jahrhundert. Wer das bietet, braucht keine Pflicht. Wer das nicht bietet, hat andere Probleme als den Mangel an Meldeformularen.
Klimasicherheit ist Sicherheit
Die größte Bedrohung für Frieden und Stabilität heißt nicht nur Russland – sie heißt auch: Dürre, Überschwemmung, Klimamigration, kollabierte Ernten. Eine Gesellschaft, die das ignoriert und stattdessen Meldeformulare druckt, hat die Bedrohungslage nicht verstanden.
Demokratie braucht Teilhabe, keine Erfassung
Wenn junge Menschen sich für dieses Land engagieren sollen, muss dieses Land sie ernst nehmen: Mit Wahlrecht ab 16, echten Mitspracherechten, einer Wohnungspolitik, die ihnen eine Zukunft lässt – und einer Politik, die nicht primär die Interessen von Leuten optimiert, die ihr letztes Praktikum in den Achtzigern gemacht haben.